Klare Regeln im Camp und wir halten uns daran. Pünktlich um 8 Uhr erscheinen wir zum Frühstück, tragen uns in die Liste für den Moränen-Hike ein und sind um 9 Uhr mit unserer etwas fragwürdigen Ausstattung vor Ort.


Geschuldet der superschnellen Umpackaktion am Vorabend hat Gabi ihr Gesichtsnetz vergessen, ich mich nicht in meine Wanderhose umgezogen und meine dünnere Daunenjacke ist auch in Ilulissat geblieben.
Dafür sind die Wanderstöcke dabei und auch die Ladekabel – wir werden überleben!

Traumhaftes Wetter als es losgeht, am Treffpunkt fallen dank Windstille aber schon die Mücken über uns her und so kauft Gabi kurzerhand noch ein Gesichtsnetz im Shop. Jetzt geht es aber wirklich los auf die 6 Kilometer Wanderung.

Das Terrain ist einfach, allerdings verlangen nicht nur die zwei Flussüberquerungen Trittsicherheit, anstrengende steilere Teilstücke aber insgesamt ist der Hike ehr gut zu bewältigen. Allerdings sind wir viel zu warm angezogen. Und so tausche ich meinen Daunenmantel gegen meine Strickjacke und selbst Gabi knotet sich ihre Daunenjacke um die Hüfte.

Froh sind wir über die Wanderstöcke, denn das Gelände ist teilweise geröllig oder an den Bächen auch morastig. Das Mückennetz ist eine gute Investition, denn diese kleinen Viecher nerven total, auch wenn sie uns offensichtlich nicht wirklich stechen, in den Augen, Ohren oder in Mund und Nase mag sie wirklich keiner leiden.

Nach 1,5 Stunden werden wir mit einem grossartigen Blick auf den Gletscher belohnt. Dort machen wir Pause, essen unsere Lunchpakete und bekommen von unserem Guide einen heissen Tee spendiert.

Jetzt bin ich froh über den Mantel, denn ich bin völlig durchgeschwitzt und der auflandige Wind bringt uns die Kälte des Gletschers mit. Traumhaft frische Luft!

Nach einer halben Stunde geht’s auf den Rückweg. Dabei komme ich mit dem Guide ins Gespräch über Mücken, Vögel und was es sonst noch an Fauna zu entdecken gibt. Ich frage ihn, wie die anderen Touren sind und welche er empfiehlt. Gabi stösst dazu und fragt, wo zwei unserer Mitwanderer abgeblieben sind. Wir erfahren, dass es möglich gewesen wäre, noch etwas näher an den Gletscher zu wandern.

Oh please, das wollten wir doch gerne. Wir drehen also um und machen uns auf den Weg zurück vom Heimweg, treffen die beiden Wanderer und steigen auf zum Grat.

Nochmal näher am Gletscher. Und das Beste ist, wir sind alleine und bestimmen unser eigenes Tempo. Herrlich, wir geniessen das total. Gabi hat immer noch nicht genug vom kraxeln und steigt noch weiter auf – ich mache Pause und genieße den Ausblick, Luft und die Geräusche des Eqi.

Völlig beseelt steigen wir wieder ab, gehen auf den Pfad und machen noch den einen oder anderen kleinen Abstecher.

Die Sonnenfinsternis erleben wir als ziemlich unspektakulär, als würde es ein Gewitter geben. Was es prinzipiell hier nicht gibt, weil die klimatischen Bedingungen dafür nicht vorherrschen.

Auf den letzten Metern gönnen wir uns Zeit in der Hollywood-Schaukel und im Café Victor nach dem Zurückmelden einen Gin&Tonic – wir wollen ja nicht aus der Übung kommen. Danach duschen und um 18:30 Uhr Aufbruch zum wirklich sehr leckeren 3-Gänge Menü: Heilbutt, Moschus-Ochse mit Pfeffersauce und knackigem Gemüse, als Nachtisch Pancakes mit Lingonberries. Sehr lecker!
Die Knie dürfen sich jetzt erholen. Bon nuit.
